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Die Geschichte der AG
Die Arbeitsgemeinschaft Würm wurde im Schuljahr 2002/03 zum ersten Mal angeboten und fand gleich viel Resonanz.
Es ging darum, dass Kinder unseren Fluss wieder kennen und lieben lernen. Denn die meisten Kinder hatten wenig Kontakt zur Würm. Sie ist reißend und schmutzig, und deswegen wurden die Kinder auch oft von ihr ferngehalten.
Reißend ist sie durch die Begradigungen, schmutzig ist sie, seit die Gemeinden um den Starnberger See herum ihre Abwässer nicht mehr in den See lassen, sondern in die Ringkanalisation. Der See wurde wieder sauber, die Würm wurde schmutzig. In "Hochzeiten" schaffte die Kläranlage Starnberg nicht alles; ein Teil der Abwässer ging ungeklärt in die Würm. Bis jetzt.
Das wussten die Kinder nicht, und auch viele Erwachsene wissen wenig über unsere Lebensader hier im Münchner Westen. 25 öffentliche Bäder gab es früher an der Würm!
Vor ein paar Jahren wurde in Planegg das Würm-Wellenbad eingerichtet und seit Sommer 2006 gibt es in Allach eine kleine Kneippanlage – ein Auftakt zu den neuen Zeiten, denen die Würm entgegensieht.
Dass die Würm wieder sauber wird – natürlich waren und sind alle Kinder dafür! Im Sommer 2006 besuchte die AG die Kläranlage Starnberg und deren neue UV-Bestrahlungsanlage. Kein Tropfen schmutziges Wasser geht mehr in die Würm, wurde uns stolz versichert.. Die biologischen Gewässergüteuntersuchungen, die die Kinder mit der Biologin Dr. Elke Leppelsack machten, ergaben Gewässergüteklasse 1-2. Hier wird die Wasserqualität mit Anzeigertierchen bestimmt. Kolibakterien werden dabei jedoch nicht aufgespürt. Es gibt sie; ab Gauting verschlechtert sich die Qualität etwas, denn es gibt einige "diffuse Einleiter". Ein wesentlicher Grund, warum das Referat für Gesundheit und Umwelt vom Baden in der Würm abrät, ist die starke Strömung, die vor allem durch die Begradigung entstand und durch Renaturierungsmaßnahmen wieder abgeschwächt wird. Die Gemeinden Planegg und Gräfelfing haben bereits einige Abschnitte renaturiert; eine kleine Renaturierung in Allach wurde letztes Jahr fertiggestellt.
Die von der AG gewünschte Beteiligung der Kinder an einer Renaturierung entspricht den Vorgaben des neuen Lehrplans für Grundschulen in Bayern:
"Schule ist Gemeinschaftsaufgabe. Zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages öffnet sie sich ihrem Umfeld...
Die Grundschule beteiligt sich am öffentlichen Leben und wirkt als örtlicher Kulturträger....
Vor dem Hintergrund des veränderten Freizeitverhaltens bestehen Aufgabe und Chance der Grundschule darin, Kindern vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten der Freizeit aufzuzeigen und in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten einen zunehmend verantwortungsvollen Umgang mit ihr anzubahnen....
Die altersangemessene Teilnahme an örtlichen Vorhaben, z.B. der Agenda 21, kann den Schülern die Augen für die gesellschaftliche und politische Dimension von Umweltfragen öffnen und Anstöße geben, einmal Verantwortung zu übernehmen."
(Aus dem Lehrplan für die Grundschulen in Bayern)
Die AG gewann zwei mal den Förderpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Mit den Preisgeldern konnten Filmaufnahmen und ein 15minütiger Film über die Anfänge der AG hergestellt werden. Gesucht wird ein Produzent oder ein Sender, der sich für das Thema begeistert; es gibt noch viel schönes, ungeschnittenes Filmmaterial.
Auch die Zusammenarbeit mit Künstlern und mit Naturschutzexperten wurde mit diesen Geldern finanziert. Mit dem Holzbildhauer Peter Frisch wurden Tierspuren geschnitzt und als "Springstrecke" für Kinder in der Wiese versenkt.
Ein "Elfchen" (Gedichtform aus elf Wörtern) wurde gemeinschaftlich gedichtet und dann Buchstabe für Buchstabe geschnitzt. Da überlegt man sich jedes Wort!
Die schöne Bank, die Peter Frisch für uns gemacht hat, wurde weggetragen; wir vermuten, sie gefiel jemand besonders gut. Das verstanden wir. Trotzdem erstatteten wir Anzeige wegen Diebstahls. Herr Milosavljevic baute und installierte eine neue Bank; sie steht nun im "Weidenhüttendorf". Er half auch beim Aufbau des Wildbienenhotels. Dort sind nun einige Suiten bezogen.
Vom Elfchen und vom "Infobaum" verschwindet ab und zu ein Buchstabe. Zum Glück findet sich bei Familie Seidl immer ein Kind, Papa oder Opa, der's renoviert.
Ganz verschwunden sind die "Gottesaugen", die die Kinder in der Werkstatt von Peter Frisch gebastelt hatten, ein indianisches Schutzsymbol. Wir hatten sie über die Würm gespannt.
Wir beratschlagen bei Beschädigungen immer, was man tun könne. Für die Kinder war es wichtig und hilfreich, Briefe an die lokale Presse zu schreiben. Grundsätzlich gilt: Wenn man nicht auch bereit ist zu überlegen und zu diskutieren wie konstruktiv umgehen mit Zerstörung und Gleichgültigkeit – dann braucht man mit so was erst gar nicht anfangen.
Dauerbrenner: Müll im Biotop einsammeln. Die Kinder machen es meistens mit Begeisterung, weil sie was tun wollen, und zwar was Gutes. Ich könnte drauf verzichten. Wir wünschen uns sehr zwei oder drei erwachsene Helfer, die in der Gegend wohnen, auch Biotoppaten sein wollen und ab und zu versuchen mit den Verursachern zu sprechen oder notfalls die Grünanlagenpolizei holen.
Ich verstehe gut, dass es junge Leute dorthin zieht, an diesen versteckten und im Naturzustand wunderbaren Ort.
Es gibt außer Sportangeboten zu wenig Freizeitmöglichkeiten für junge Leute in Obermenzing. Und es ist fraglich, ob es gelingen könnte, auch mit profimäßigem Einsatz, etwa von Helfern aus der städtischen Jugendarbeit, von Eltern und Lehrern, die jungen Leute für Achtung und Engagement zu gewinnen. Sicher bin ich mir, dass die Kinder, die in der Grundschule und im Kindergarten Naturerfahrungen machen und ihre nächste Umgebung mitgestalten durften, sich als Jugendliche und Erwachsene sensibler verhalten werden.
Warum Naturerfahrungen für die psychosoziale Entwicklung von Kindern wichtig und förderlich sind, darüber wurde im Frühjahr 2005 auf einer öffentlichen Veranstaltung der AG diskutiert. Fachleute auf dem Podium im Jella-Lepmann-Saal waren:
Ronja Fink, Hannah Kapfenberger und Paul Löwenhauser, AG-Würm-Kinder
Margarethe Angerpointner, Mutter
Dr. Ulrich Schneider, Leiter der Hauptabteilung Gartenbau im Baureferat
Doris Heueck-Mauß, Psychologin und Familientherapeutin
Marion Löwenfeld, Umweltpädagogin
Brant Secunda, Schamane der Huichol Indinaer
Die Moderation übernahm Dr. Peter Neesen, Redakteur i.R., früher beim Kinderfunk des BR. Es wurde der Film über die Anfänge der AG gezeigt, "Bullerbü an der Würm", und im Foyer gab es eine Ausstellung der Kinderkunstwerke und eine Fotodokumentation über die Arbeit der AG.
Das Herzstück der Arbeit der AG sind Naturerfahrungen, Lernen über Zusammenhänge und Möglichkeiten des Engagements.
Unvergessen sind zum Beispiel:
Fledermausnachtwanderung mit der Fledermausexpertin Margarete Kistler vom Landesverbund für Volgelschutz
Suchen und Finden von über 200 verschiedenen Pflanzen- und Tierarten an der Würm beim Tag der Artenvielfalt im Sommer 2006:
Thomas Hochhauser, damals Mitglied des Elternbeirats, hat die Initiative der Zeitschrift GEO zum "Tag der Artenvielfalt" aufgegriffen, und eine Födergruppe der AG Würm organisierte für alle Kinder der Schule dies Projekt: jede Klasse schwärmte mit einem Experten aus zum Forschen und Lernen entlang der Würm.
Vielen Dank allen Eltern, die im Lauf der Jahre so viel mitgeholfen haben, dass die Arbeit gelingt! Die Fotos von der Veranstaltung und vom Tag der Artenvielfalt stammen von unserer AG-Fotografin Beatrice Vohler.
Ursula Schleibner
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